TYPO-Auftakt: Die bewegenden Bilder von Susanne Koelbl

Sie ist eine der mutigen Frauen, die tatkräftig daran arbeitet, den Dingen, die in unserer Welt schief laufen, Gehör zu verschaffen. Susanne Koelbl eröffnete mit einem ergreifenden Talk über die Beweggründe von „wanderlust“ die TYPO 2017. Mit einem Blick über den Design-Tellerrand zog sie die Aufmerksamkeit des Publikums auf gesellschaftlich relevante Themen und gab einen Ausblick auf ihr Lyrik-Projekt.

Von Lisa Schmidt

Meist treibt uns eine Idee an, fortzugehen – die Idee in der Fremde das Glück zu finden, dass uns in eigenen Gefilden vermeintlich verborgen bleibt. Dort einen höheren Geisteszustand zu erlangen, mehr Sicherheit zu erfahren, Grundbedürfnisse zu stillen. Das Thema »wanderlust« reicht weit über die Vorstellung von schönen, reiselustigen Menschen im Van hinaus.

»Krieg bedeutet: Du zerstörst ein Leben, um ein anderes zu retten.«

Susanne Koelbl, Auslandskorrespondentin und Kriegsberichterstatterin, reist dahin, wo Kriege herrschen und Träume zerstört werden. Sie reist nach Afghanistan, Pakistan, Nordkorea, Syrien und trifft dort Menschen, die Grausames tun und selbiges erleiden. Sie konfrontiert sich selbst und die Rezipienten und Rezipientinnen ihrer Berichte mit der Wahrheit über die Bedeutung von Krieg, aber auch über dessen Entstehung und Lösung.

Am Donnerstag füllte sich die »Hall« rasch. Die Besucher der TYPO 2017 erwarteten gespannt die Eröffnungsrede Susanne Koelbls. Es wird anders als erwartet. Sie ist keine Sprecherin, die im Designfeld tätig ist. Sie wird nicht über Feintypografie oder die Zukunft des Designers referieren. Sie wird auf ergreifende Weise eine Thematik offenbaren, die uns allen an die Nieren gehen wird. Neben all den unbeschwerten Design- und Typografie-Talks, kommt es der Konferenz zugute, eine Person gefunden zu haben, die die Dinge anspricht, die gesellschaftliche Relevanz haben, die erhört sowie angegangen werden müssen.

Susanne Koelbl eröffnet die TYPO 2017 mit einem bewegenden Vortrag. Foto: © Gerhard Kassner / Monotype

 

Seit den Neunzigern durchquert Koelbl nun Konfliktgebiete und riskiert täglich ihr Leben. Vor zwei Jahren wandelte sich dann alles. Eine neue Art von »wanderlust« überschwemmte Europa – Flüchtlingsströme. Plötzlich kommen Koelbls Protagonisten ins eigene Land. Ihre Arbeit wird sich nunmehr vor Ort abspielen.

»Deutschland verändern, damit es bleiben kann, wie es ist.«

Sie beschließt sich selbst zu bewegen, macht sich auf in Notunterkünfte und trifft dort allein geflüchtete Jungen. Diese animiert sie zum Schreiben. Mithilfe von Poesie verarbeiten sie ihre Erlebnisse von der Flucht, ihres jetzigen und ihres vergangenen Lebens und stellen es für die Öffentlichkeit zur Verfügung. Unter dem Vereinsnamen The Poetry Project möchte Koelbl die Welt verbessern.
Mit dem Vortragen der lyrischen Texte soll zum Zuhören und Verstehen angeregt werden, warum die Jugendlichen ihre geliebten Länder verließen, welche persönlichen Gefühle sie verspüren und was sie schlussendlich über uns denken.

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Susanne Koelbl

Foreign Correspondent / Spiegel (Berlin)

Susanne Koelbl, born in Munich, author of books, award-winning foreign correspondent of DER SPIEGEL, host of salons, lover of Persian poetry, Berlin-based owner of a dacha, had an eye-opening experience in the Balkans 15 years ago: A small group of international diplomats, soldiers and helpers stopped the killing and the war. Koelbl has written about conflicts and how to solve them ever since. 70 times she traveled to Afghanistan and Pakistan, as well as to North Korea, Syria, Iraq, Iran, Sudan, and dozens of other places. The conflicts continue, but she is driven by the knowledge, why there are confrontations, and what it needs to end them.

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