Michael Johnson: Gitarren und Grafik

Michael Johnson hält einen Vortrag über Gitarren und Grafik. Nicht wirklich. Eigentlich hält Michael Johnson einen Vortrag über Gitarrenmusik und deren Entwicklung in den letzten hundert Jahren. Das macht er nicht nochmal, sagt er, weil er dafür nämlich verdammt lange und verdammt viel üben musste. Sein Vortrag ist der Versuch, die Berührungspunkte von Gitarrenmusik und Grafikdesign geschichtlich zu verorten.


Michael Johnson at Typo Berlin 2013 © G. Kassner

… here we are now, entertain us …

Er beginnt mit dem Aufkommen der Gitarrenmusik am Anfang des 20. Jahrhunderts. Er spricht über Robert Leroy Johnson und andere Wegbereiter. Zu jedem Beispiel spielt er eine kleine Hörprobe live. Natürlich spricht er auch über die Anfänge des Grafikdesigns, über Aubrey Beardsley und über Bauhaus zum Beispiel. Tatsächlich gibt es in den 20er Jahren einen ersten Anknüpfungspunkt zwischen Musik und Design, zumindest wenn man zwei Augen zudrückt… Gemeint ist die Affäre zwischen Alma Mahler (der Frau von Gustav Mahler) und Walter Gropius.

Wirklich zusammen finden Gitarren und Grafikdesign aber eigentlich erst ab Mitte des 20. Jahrhunderts. In dem Moment als sich Popkultur etabliert und Tonträger zum Massenkonsumgut werden, finden Musik und Gestaltung zusammen und zwar in Form von Plattencovern, Bandmerchandise und anderen Lifestyle-Produkten. Die Beatles nennt Johnson in diesem Zusammenhang als erste gebrandete Band.

Genaugenommen gibt es keinen spezifischen Zusammenhang zwischen Gitarrenmusik und Grafik – nicht mehr Anknüpfungspunkte als zu anderen Genres populärer Musik.

Michael Johnson

Michael Johnson

‎Creative Director, Principal / johnson banks (London)

Johnson Banks defines then design brands that want to make a difference: tackle hunger; fight for an open internet; raise billions for education; bring culture and enlightenment to the world; shift paradigms and change lives. Johnson’s clients include Cambridge University, Action Against Hunger and Mozilla. His new book, “Branding: In Five and a Half Steps” is a best-seller on both sides of the Atlantic.

Das macht aber überhaupt nichts. Johnsons Vortrag ist nicht nur deshalb gut, weil er wirklich passabel Gitarre spielt. Er ist ein gutes Beispiel dafür, dass es sich lohnt über den eigenen kreativen Tellerrand zu blicken, interkulturelle und interdisziplinäre Bezüge zu entdecken, herzustellen und zu nutzen.

Dieser Vortrag ist also in Wirklichkeit gar kein Vortrag über Gitarren und Grafik, sondern ein implizites Plädoyer inspiriert zu bleiben und zu inspirieren. Und so gelingt Michael Johnson am Ende seines Vortrags etwas, was wohl eher selten auf einer Fachtagung passiert: Das Publikum verlangt nach einer Zugabe.

 

Ivana Rohr