Nat Hunter: Power to change the world

Was ist passiert … fragt sich Nat Hunter. Nach 23 Jahren interessanter Arbeit schloss 2012 das von ihr mitbegründete Design Studio Airside. Das hatte verschiedene Gründe: Interessen und Ziele der Einzelnen haben sich verändert, aber vielleicht auch die Gesamtheit der Gestaltungsszene. 1998 fand sie sich, damals passionierte Interaktive-Designerin, mit einem Innenarchitekten und einem Grafik Designer zusammen. Erste Projekte waren Plattencover und das junge Team versuchte, den Hörer durch Gestaltung leidenschaftlich mit der Musik zu verbinden – sie zu lieben und sich damit zu identifizieren.

© Gerhard Kassner

Viele Projekte folgten, immer mit dem Ansatz dass Gestaltung das Leben der Menschen aktiv und positiv beeinflussen sollte. Im Laufe der Zeit wurden die Themen komplexer und die damit verbundenen Probleme die konzeptionell zu lösen waren. Sie führt auf, dass Gestaltung oft nur Oberfläche ist, schönes Aussehen. Aber Gestaltung ist viel mehr. Einmal der Stil – wie es sich anfühlt, was für Emotionen geweckt werden. Dann Form und Funktion – wie es funktioniert. Zum Dritten, Problemlösung und abschließend, die Rahmenbedingungen in denen es sich abspielt. In diesen vier Ebenen bewegt sich Nat Hunter im Gestaltungsprozess und spricht allen ähnlich viel Bedeutung zu.

Das erste Projekt das sie heute vorstellt ist für einen wohltätigen Bildungsverein. Es geht es darum, einen Jahresbericht zu gestalten. Die erste Frage die sich das Team stellte war – ob sie überhaupt ein Buch produzieren sollten? Die Alternative hätte eine digitale Variante sein können. Was spricht also für das Buch? Es ist langlebig und über Jahrzehnte gut. Digitale Medien sind enorm schnelllebig und brauchen stetige Erneuerungen. Es sollte also ein Buch werden, das über Jahre geschätzt wird und auf Grund des emotionalen Wertes nicht irgendwann auf dem Müll landet. In der Produktion wählten sie ein sehr leichtes Papier und trennten sich von allem überflüssigen Ebenen im Buch so dass auf Grund der Gewichtseinsparung und der damit geringeren Transportkosten 82% der CO2 Emissionen reduziert wurden. Schön und funktional in Einem.

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Ein zweites Projekt das Nat Hunter heute vorstellt geht in eine ganz andere Richtung. Für die Firma WeFarm, einem Hersteller für Kakao und Kaffee, entwickelte sie ein System mit dem sich Farmer von überall auf der Welt miteinander vernetzen und austauschen können. Aber wie soll das funktionieren in kleinen, isolierten Dörfern in Kenia und Lateinamerika in denen ein Internetanschluss in unerreichbarer Ferne liegt? Eines hatten die Farmer gemeinsam, einfache Nokia Mobiltelefone. Sie haben eine Möglichkeit der Verbindung geschaffen, indem die Farmer Fragen an eine Basis schicken und die dort übersetzt und weitergeschickt wird. So gehen Fragen und Antworten zwischen sich unbekannten Menschen hin und her, komplett wertfrei und und vertrauensvoll. Alle Fragen werden gespeichert und sind dauerhaft verfügbar. Eine wahnsinnige Kommunikationsleistung mit einfachsten Mitteln.
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Nat Hunter

Nat is a Design Director at the RSA in London, using design to close the gap between our every day behaviour and the future to which we aspire. She is also working on various other digital and art projects. She was one of the founders of Airside and of Three Trees Don't Make a Forest and is currently on the executive committee of D&AD.

Nat Hunter erwähnt oft Lebenskreise in denen sich Gestaltung bewegt. “Move away from just making stuff, make stuff to reuse stuff” – alles sollte wiederverwendet werden können. Sie sagt, man sollte die ganze Welt als ein einziges Design-Projekt sehen und sich fragen, wie wir anfangen können, sie besser zu gestalten?

Autorin: Christine Lange