Panel: Quo Vadis, Designprofession?

Michael Kubens (designenlassen.de) und Bastian Unterberg (jovoto.com), die zuvor ihre sehr unterschiedlich konzipierten Plattformen vorgestellt hatten, diskutierten im Panel mit Jörg Petruschat, Designtheoretiker und Herausgeber der Zeitschrift form + zweck, der sich in seinen letzten Arbeiten mit dem Wert kreativer Arbeit und dem Thema Ko-Kreativität auseinandergesetzt und die Grenzen des Crowdsourcing aufgezeigt hatte, sowie Torsten Stapelkamp, der dafür plädiert, dass Designer auch als Unternehmer und Berater auftreten sollten.

Bastian Unterberg stellte heraus, dass das Warentauschgeschäft zwischen den Kunden und der jovoto-Community nicht nur in der eigentlichen Designleistung, sondern auch in der Diskussion liege und dass der Dialog für den Kunden auch der Positionierung diene. Er sieht darin einen Mehrwert für die Community und den Kunden. Moderatiorin Birgit S. Bauer hakte jedoch nach, ob Croudsourcing das Argumentieren des eigenen Entwurfs nicht verhindere. Dass die Designer selbst ihre Arbeit argumentieren sollten und die Bewertung nicht der Crowd überlassen, fand auch Torsten Stapelkamp. Für ihn liegt ein weiteres Problem von Crowdsourcing zum Beispiel darin, dass die Preise für die Designs von “Leuten festgelegt würden, die von Design keine Ahnung haben”. Michael Kubens setzt auf den direkten Kanal zwischen Kunden und Gestaltern. Für ihn führt das Internet Angebot und Nachfrage zusammen. Für den Kunden sieht er den Vorteil darin, dass er nicht “die Katze im Sack kaufe”, sondern aus verschiedenen Designs auswählen könne. Und gerade junge Kreative könnten bei seiner Plattform ihre Arbeit direkt vertreiben, anstatt schlecht bezahlte Praktika zu machen.

An dieser Stelle erhoben sich die ersten Stimmen aus dem Publikum: Wie könne man mit einem Missstand wie der Generation Praktikum einen weiteren Missstand, nämlich Dumping-Preise für Design, rechtfertigen? Kubens verwies als Antwort auf den Markt, der so existiere, als Ausgangslage für seine Plattform hin. Es gehörten nicht nur Kunden, die nur einen bestimmten Betrag zahlen wollen, sondern auch Designer, die für diesen Betrag arbeiten, dazu.
Torsten Stapelkamp hält den Crowdsourcing-Markt für klein. Ein weiteres Manko bei designenlassen.de sah er darin, dass die strategische Beratung keine Rolle spiele. Er riet allen Designern, ihre Leistungen nicht nur aus kreativer Sicht zu argumentieren, sondern auch aus strategischer und wirtschaftlicher Sicht für den Kunden.
Hier schaltete sich Jörg Petruschat ein, der eine Andienung des Designs an die Wirtschaft für gefährlich hält. Seiner Meinung nach wird Design wegen zu starker Annäherung an die Wirtschaft nicht mehr als kreative Leistung gesehen. Er setzt sich dafür ein, Allianzen von erfahrenen Designern zu bilden, die den jüngeren Marktzugänge ermöglichen können. Eine weitere Möglichkeit sei die Zusammenarbeit von Konzernen mit einzelnen Kreativen für Projekte. Für die Zukunft des Designs sieht er nur die Flucht nach vorne in die Komplexität.

Die finalen Statements der Diskutierenden:
Torsten Stapelkamp – In den Creative Industries sollte der Designbegriff geschützt werden und es wie bei Juristen einen festen Honorarsatz geben.
Michael Kubens – Das Internet führt Angebot und Nachfrage zusammen.
Bastian Unterberg – Crowdsourcing bietet den Einzelnen mehr Mündigkeit, denn der Standpunkt wird im sozialen Prozess aufgebaut.
Jörg Petruschat – Der Designer muss mehr in die Gesellschaft eingebunden werden, und… “Lasst euch nicht für dumm verkaufen”

Wohin die Designprofession geht?
Im Show-Saal der Typo wurde im Publikum nach dem Panel auf der Bühne noch weiter diskutiert.

“Gestaltung wird durch die schnelle Verbreitung von Arbeiten im Internet schneller bebildert als früher – unsere Gesellschaft wird visueller.” – “Wird die Komplexität von Kommunikationsdesign deshalb besser verstanden?”
“Letztendlich läuft alles auf die Frage hinaus, ob wir uns in einer Gewerkschaft organisieren oder nicht”.
“Dinge sinken im Preis auch deshalb, weil Menschen etwas gerne machen. Lohn besteht nicht nur in Geld.”
“Die Entscheidung, ob jemand Logo und Flyer für den Bäcker um die Ecke macht oder an komplexen Designaufgaben arbeitet, bleibt bei jedem selbst.”
“Der Wert der Arbeit und diesen zu kommunizieren hängt auch mit Selbstwertgefühl zusammen. Das finde ich gut. Dahin sollte die Reise gehen.”

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Michael Kubens

Michael Kubens studied media system design in Darmstadt. He worked for several years in marketing on the agency and customer end. He and his partner, Eugen Sobolewski, have been freelance since 2008. The idea for designenlassen.de came to the two founders when they were faced with the task of coming up with a corporate design for their own company.
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Bastian Unterberg

Bastian Unterberg studied informatics at the University of Siegen and design at Berlin’s Art University. For the last 12 years, he has been realising communications concepts in the digital arena as an information architect, designer and developer. As founder and director of jovoto, Unterberg concentrates these days mainly on the strategic development of the platform, as well as the business development and marketing areas.
Speaker Pic

Jörg Petruschat

Jörg Petruschat (b. 1958) developed design theories and attained a name for himself as publisher of form+zweck (form+purpose) magazine. He is a professor at the Design Faculty in Dresden, teach theory of culture and civilisation, and history of design. He also heads up the Institute for Innovation and Design, where he is currently working on projects in the field of gestural interaction. His most recent work deals with the value of creative work in leading agencies and companies in Europe and the U.S. and with the subject of co-creativity. His “Ohne Vorbild. Einige Bemerkungen zum Hand haben“ (Without Example. A Few Remarks on Having a Good Hand) is soon to be published. He lives and works in Berlin and Dresden.